Schafe, Pokémon und alte (Dudel-) Säcke – Kursfahrt nach Schottland

11.07.2016 Nacht der Abfahrt

Ein kühler Wind weht durch die Straßen des von LED-Lampen und Straßenlaternen erleuchteten Berlins. Es ist 03:15 Uhr und eine Gruppe betrunkener Partygänger zieht lachend und feixend in Richtung Haushofer Straße, während eine Gruppe von gut 80 Personen am Straßenrand auf die Ankunft des Reisebusses wartet, der zumindest 52 von ihnen sicher nach New Lanark in Schottland bringen soll.

Nachdem alle Taschen, Koffer und Rucksäcke sicher verstaut wurden und eine tränenreiche Verabschiedungszeremonie durchgeführt wurde, setzt sich der Bus wackelnd in Bewegung und manövriert in Richtung Autobahn.

07:30 Uhr irgendwo in Deutschland

Mit einem leichten Ruck stoppt der Bus am ersten unfassbar (un)spektakulären Halt

: der Autobahnraststätte Hannover-Nord. Wie beim Black-Friday stürmen alle auf die örtliche Toilette um einen der berühmten Sanifair-50 Cent-Rabattcoupons zu ergattern, der dann wenigstens für ein Frühstücksbrötchen herhalten soll. Nach typisch wässrigem Raststättenkaffee und einigen belegten Brötchen macht sich der Bus auf – weiter Richtung Holland.

15:00 Uhr nahe Amsterdam

Der typisch Norddeutsche Hafengeruch – ein Gemisch aus modriger See, Möwenkacke und Fischabfällen – strömt in den Innenraum des Busses als sich die Türen klappernd öffnen.

Selbst das Möwenkreischen und Dampfertuten ist dasselbe, doch der Hafen, an dem sich die Truppe vor einem großen Gebäude mit Glasfassade versammelt, ist nicht etwa der von Hamburg, Bremen oder Rostock sondern viel mehr ein kleinerer Abklatsch, der dem Playmobil Hafenmodell ähnelt. Es ist sonnig und dennoch weht ein für Meeresnähe typischer kalter Wind, oder wie Kapitän Iglo sagen würde „eine steife Brise“ durch den Hafen von Ijmuiden.

16:50 Boarding

Nach ewig dauernden Pass- und Personalausweiskontrollen als auch den unbeschadet überstandenen Sicherheitskontrollen betritt die Gruppe die „DFDS Seaways Princes“ ein Schiff, welches schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Die Tatsache, dass die gebuchten Schlafkabinen noch unter den Parkdecks der Autos, also quasi an der Stelle liegen wo man am schnellsten stirbt, wenn das Boot mit Wasser voll läuft (naja, immerhin der Bus ist sicher), dämpft die freudig aufgeregte Stimmung nicht.foto-11-07-16-20-30-31

17:45 Abfahrt 

Mit einem trommelfellzerschmetternden Hupen des Schiffshorns setzt sich die Fähre (mit 15 Minuten Verspätung) in Bewegung. Einige Hafenarbeiter winken der Fähre nach, welche sich leicht schaukelnd ihren Weg Richtung Newcastle durch die Wellen bahnt.

19:00 Fähre

Während sich einige die Fahrzeit mit Werwolf spielen, im Kino oder unter Deck mit Schlafen vertreiben, ist anderen eher weniger nach Spaß zu mute. In regelmäßig aufkommenden Würgekrämpfen sucht sich das Mittagessen vieler Passagiere wieder einen Weg in die Freiheit. Das Schiff schaukelt als ob es in einer schlechten Wasserschlacht-Kampfszene aus Fluch der Karibik gefangen wäre.

12.07.2016

07:00 Fähre

Mit einem angenehmen Jingle der an die Karstadt Fahrstuhlmusik erinnert, kündigt die Bordsprechanlage eine Durchsage an. Kurz darauf ertönt eine sanfte weibliche Stimme, welche den Passagieren in drei Sprachen erklärt, dass es morgens ist und alle jetzt aufzustehen haben. Zudem macht sie Werbung für die sich auf dem Schiff befindenden Restaurants in welchen es Frühstück gibt. Müde schlurfen die Ersten in Richtung jener, während andere weiter das Bett hüten.

10:00 Hafen Newcastle

Nach erneuter Kontrolltortur stehen 2 Stunden Busfahrt bevor, was die gesamte Truppe zu eher mieser Stimmung veranlasst. Lediglich die Tatsache, dass man mitten im wunderschönen England steht, zaubert ein Lächeln in die müden Gesichter.

13:30 Hadrianswall – (noch) England

Besichtigung eines Teils des Hadrianwalls oder genauer gesagt einer Ruine eines früheren römischen Lagers zu welchem es eigentlich nicht viel mehr zu sagen gibt als das es alt und zerstört ist. Wie eine Horde Paparazzi stürmt die Gruppe mit Kameras und Handys bewaffnet das Gelände, die einen in dem Willen ein paar Schnappschüsse zu erhaschen, während die anderen versuchen ihre Pokémon-Sammlung mit Britischen Pokémon zu erweitern.

15:20 Grenze zu Schottland

Schottland. Das Land der Schafe, des Dudelsacks und der Kilts erstreckt sich in einer hügeligen Landschaft aus samtig grünem Gras vor dem Bus.

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15:40 Jugendherberge

Ankunft in der neuen Bleibe. Das Sprichwort „Quantität vor Qualität“ bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Die Ausstattung der Zimmer ist durchaus zufriedenstellend, doch die Qualität des vielseitigen Mobiliars hätte bei Trivago die Punkte in der Kategorie „Zimmer“ wohl eher in den Minusbereich getrieben.

17:00 New Lanark

Viel zu bestaunen gibt es hier nicht. Größte Attraktionen dieses Dorfes sind ein Subway und der große Tesco-Supermarkt, in welchen nun eine Horde hungriger Jugendlicher stürmt.

„Am besten schmeckt es selbst gemacht“ ist das neue Motto des Tages, denn in der Jugendherberge ist Selbstversorgung angesagt. So wird im Tesco alles gekauft was Fett enthält und sich möglichst schnell in der Mikrowelle oder im Backofen zubereiten lässt.

Lediglich ein kleiner, aber mutiger Teil der Gruppe wagt es auf eigene Faust zu kochen und sucht sich alles Nötige zusammen um wenigstens ein bisschen an Kalorien zu sparen und frisch zu essen…Horst Lichter wäre stolz auf sie!

13.07.2016 Ausflug nach Edinburgh

Die Hauptstadt Schottlands. Klein, überschaubar, aber schön. Reihen alter Häuser, die nach einer Weile in Neubauten übergehen, welche wiederum an einer Seite an den „Firth of Forth“ (Fjord der Nordsee), an einer anderen an den Arthurs Seat (Berg) oder die weiten Lande Schottlands grenzen, durchziehen die Altstadt.

Ein kauziger Stadtführer namens Edward ist zur Gruppe gestoßen um über die lokalen Sehenswürdigkeiten zu berichten, während sich der Bus durch die engen Straßen der Stadt zwängt. Edward klärt neben der Geschichte Schottlands die Gruppe auch darüber auf, dass Edinburgh weder „Edinburg“, noch „Edinborow“, sondern viel mehr wie „Edinbrahw“ ausgesprochen wird und jeder ach so deutsche Tourist sich böse Blicke der Einheimischen einfängt, sollte er dies nicht tun. Gut gewappnet, verteilt sich die Gruppe nach fast 1,5 Stunden Bordunterhaltung selbstständig in der Stadt.

14.07.2016 Ausflug nahe der Highlands

Das Wandern ist des Schülers Lust. Mit Sack und Pack wird ein Gebirge nahe der Highlands erklommen, selbst eine pinke Geburtstagstorte (Happy Birthday!) ist mit von der Partie. Bergführer Rainer Axel Schweiß lotst die Gruppe an diesem heißen Tag sicher durch das von Pollen befallene Gelände.

15.07.2016 Rückfahrt nach Newcastle

Frühstück. Haggis, die Nationalspeise Schottlands (ein Gemisch aus Schafsinnereinen in einem Schafsmagen zusammengequetscht…nein, das war jetzt leider kein Scherz…) steht auf dem Speiseplan. Während viele sich das Zeug angeekelt von der Zunge kratzen werden bereits die Koffer geschleppt, um den Bus zur Abreise bereit zu machen.

11:00 England Kathedrale

Noch bevor es zurück auf die Fähre geht, wird eine im 13. Jahrhundert erbaute Kathedrale besichtigt. Das „Gotta catch them all“ Prinzip zieht auch hier wieder mit voller Wucht. Es werden lieber reihenweise Pokémon geschlachtet, als Englisches Kulturgut zu begutachten… Als Game of Thrones Fan lässt sich dazu nur sagen:

„Schande, Schande, Schande“

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20:00 Irgendwo auf dem Meer

Bei leichtem Wellengang schaukelt das Schiff in Richtung Ijmuiden.

Das wunderschöne Schottland und 3 tolle Tage lässt es hinter sich, eine Zeit, der sicherlich jeder eine Träne nachweinen würde oder wie es Rainer Kalmund sagen würde: „Schön war et jewesen!“ Dennoch hat es wieder einige Akteure in die Katakomben verschlagen, wo nach Lust und Laune fröhlich vor sich hin gewürgt wird, sodass diese ein überraschend gutes Abendbrot an Deck verpassen.

16.07.2016 Ankunft in Berlin

Ein kühler Wind weht durch die Straßen des von LED Lampen und Straßenlaternen erleuchteten Berlins. Es ist 21:00 und eine Gruppe Touristen zieht Richtung Astra-Kino, während eine Gruppe von gut 28 Personen am Straßenrand auf die Ankunft des Reisebusses wartet, welcher 52 Personen an Bord, sicher nach Berlin zurückbringen soll.

Nachdem alle Taschen, Koffer und Rucksäcke entladen sind und eine tränenreiche Willkommenszeremonie durchgeführt wurde, setzten sich die Autos der Anwesenden wackelnd in Bewegung und manövrieren in Richtung Zuhause.

An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Herrn Fanning, Frau Griesche und Frau Pforr, welche mit ihrer spontanen, freundlichen und entspannten Art diese Kursfahrt zu einer tollen Erfahrung für jeden Beteiligten gemacht haben… Es ist sicherlich nicht falsch zu sagen: Immer wieder gerne!

Von M. Schneller (Fotos P. Herm)