»Vorhang auf!« Die Dreigroschenoper

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Mittwoch 26. Januar, 18:50 Uhr: Noch zehn Minuten dann beginnt die Premiere des Theaterstücks von Bertolt Brecht „Die Dreigroschenoper“. Der Kammermusiksaal ist gänzlich voll. Zum Glück hielt man mir einen Platz frei, sonst hätte ich in einer Ecke mit schlechter Sicht einen Stuhl hinstellen müssen.

Vorhang auf! Sofort kommt der Zuschauer ins Staunen. Man sieht Verbrecher, die ihre glänzende Waffe stolz empor halten; die ärmsten Bettler in alten Lumpen nach Geld bettelnd; auch Huren mit kurzen und durchsichtigen Kleidern. Währenddessen singt der sogenannte Moritatensänger das erste Lied. Der stechende Geruch einer gerauchten Zigarre verbreitet sich im Saal und dann verlässt „Mackie Messer“ (Macheath) als einziger die Bühne.

Macheath ist ein elegant gekleideter Verbrecher, der sowohl charmant, als auch kaltherzig ist. Er organisiert in London eine Verbrecherbande. Außerdem heiratet er zu Beginn die junge Frau Polly Peachum. Die Hochzeit findet in einer einfachen Scheune statt, die für den passenden Anlass geschmückt wird. Der Kurs von Herrn Van Loy kreierte ein einprägsames Bild auf der Bühne. Eilig wird ein Tisch gedeckt, Kerzen angezündet, der Kronleuchter (ein Reifen mit LED Leuchten) angeschaltet und mitten zwischen den Dieben und Räubern Londons sitzt Polly Peachum im Hochzeitskleid neben ihrem Mann Macheath. Als auch der Polizeichef Londons auftaucht („Tiger Brown“) zeigt sich, dass der oberste Sheriff und der schwerste Verbrecher gute Freunde sind, was sie in einer Gesangseinlage demonstrieren.

Brechts Stück enthält viele Lieder, die von Kurt Weill komponiert wurden. Es erforderte wahrscheinlich etwas Mut als Schauspieler auf der Bühne zu singen, aber dafür hat es sich gelohnt! Ich persönlich mochte den Gesang sehr, da er mehr Dynamik ins Stück brachte und zudem als Bruch diente, wenn plötzlich der Zuschauer beim Singen fokussiert oder direkt angesprochen wurde.

Pollys Eltern besitzen eine professionelle Firma, die die Bettler von ganz London koordiniert und damit Profit macht. Der Vater (J.J. Peachum) ist ein kühler Mensch, der oft von Moral spricht, aber selbst mit Bettlern Geld verdienen will. Die Mutter ist listig, wenn sie später mit den Huren zusammen arbeitet und sie ist sehr direkt in ihrer Wortwahl, wenn sie beispielsweise ihre Tochter als „Drecksschlampe!“ beschimpft. Nachdem die Eltern von der Hochzeit erfahren, schmieden sie einen Plan, ihre Tochter von Macheath zu trennen. Sie wollen dafür sorgen, dass ihr neuer Schwiegersohn gehängt wird.

Macheath tritt die Flucht an, allerdings geht er vorher ins Bordell, wo er von den Huren verraten wird, da diese Geld bekommen, wenn sie Macheath der Polizei ausliefern. Macheaths Freund, der Polizeichef von London, konnte ihm auch nicht helfen und so landete der Verbrecher im Gefängnis. Dort stellt sich heraus, dass Macheath zwei Frauen hat. Beide Frauen duellieren sich gesanglich in einem Eifersuchtsduett. Die Darstellerinnen sangen grandios und ernteten verdienten Applaus.

Letztendlich schaffte Macheath es trotz Korruptionsversuchen nicht seinem Schicksal zu entkommen. Kurz bevor er dann gehängt werden soll, kommt ein königlicher Bote und verkündet, dass Macheath begnadigt und in den Adelsstand erhoben werde. Alle zusammen sangen sie ihr letztes Lied und das Stück ging zu Ende.

Wir sahen ein Theaterstück, das Menschen zeigte, die keine intime Beziehungen verfolgten, sondern nur ihr Geschäft und ihren Profit. Verbrecher, die aus dem Leid der anderen ihren persönlichen Nutzen ziehen konnten. Korruption ermöglichte den Reicheren bessere Verhältnisse im Gefängnis (Macheath zahlte Geld dafür, dass er keine Handschellen tragen musste). Zum Schluss wurde der schwerste Verbrecher Londons, der geraubt und gemordet hat, von der Königin begnadigt, was ein Gefühl der Ungerechtigkeit hinterlässt.

Die DarstellerInnen setzten ihre Rollen sehr authentisch um; sie sangen, schrien, weinten, lachten und spielten in einer insgesamt sehr gelungen Atmosphäre.

Während der gesamten Projektwoche und auch noch die Tage danach probten die SchülerInnen mit Herrn Van Loy zusammen und stellten ein großartiges Werk auf die Beine, was leider auch ihr letztes gewesen sein wird, weil sie alle in ihrem letzten Schuljahr sind.

Pascal H.