Die Assel

 

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Es gibt eines unter Asseln,

das sich wirklich immer gleicht;

sie leben für des Regens Rasseln

und verlier’n sich dabei leicht.

 

Doch eine Assel gab es mal,

für die war das ’ne Höllenqual,

sie hatte einen großen Traum,

von einem Kuss, man glaubt es kaum.

 

Nun wusste sie nur wirklich nicht

– ihr schwand schon fast die Zuversicht -,

wie sie ihren Traum erreicht,

und das war alles, nur nicht leicht.

 

So fing sie abends an, zu wünschen,

sie wäre keine Assel mehr.

Wünschte sich von New York nach München

doch keine Lösung kam daher.

 

Einmal, in ’ner tiefen Nacht,

da träumte sie von einer Yacht,

auf der sie endlich Liebe fand,

sie wachte auf, ganz angespannt,

doch stellte leider Gottes fest,

sie war noch in ihr’m Asselnest.

Eine Yacht war nicht zu finden,

sie fühlte ihre Hoffnung schwinden.

 

Doch einmal dann, das war echt krass,

da wurde sie vom Regen nass.

Sie wurde groß, fühlte sich fein

und fing vor Freude an, zu wein‘.

 

Sie sah sich in ’nem Regenteich

und wurd‘ ganz plötzlich kreidebleich –

Sie schaute in ein Mensch’gesicht,

und wieder kam die Zuversicht.

 

Langsam lernte sie zu laufen,

doch einfach ging das wirklich nicht!

Sie wollt‘ sich grad Krücken kaufen,

da stand sie auf, nun fiel sie nicht.

 

So machte sich die Menschenassel

eines Tages auf den Weg

sie fuhr nach Hamburg, dann nach Kassel,

Lebte, als wenn’s kein Morgen gäb‘.

 

Doch als da nach ’nem ganzen Jahr

noch immer keine Liebe war,

versuchte sie’s mal mit Lovoo,

die Dating-App war echt ’n Clue.

 

Einhundert Dates war’n jetzt in Sicht,

und in dem hellen Kerzenlicht,

das man im Gasthaus sah voll Prunk,

hat’s bei der Assel schnell gefunkt.

 

Der Mensch, der einst ’ne Assel war,

kam dem Fremden wirklich nah‘.

Und bald darauf kam der Genuss;

der Assels aller erster Kuss.

– Isy K.