Fastfood mit gutem Gewissen

Zwei Österreicher revolutionieren die Fastfoodindustrie

Fastfood mit gutem Gewissen? Geht das? Ja, das geht. Und zwar in einem neuen Burgerladen, der am Bahnhof Friedrichsstraße eröffnet hat.

Fastfood hat in den letzten Jahren vor allem negative Schlagzeilen geschrieben. Wenn inzwischen sogar der ehemalige österreichische McDonald‘s Chef Harald Sükar in einem Stern-Interview vor einem Besuch der Fastfood Ketten warnt, sollte man sich schon Sorgen machen.

Die Klimabilanz sei erschreckend, warnt Sükar. „Antibiotika-Einsatz bei Hähnchen, Billigfleisch aus Polen und bergeweise Plastikmüll.“, kritisiert Sükar im Interview mit dem Nachrichtenmagazin.

Süßstoffe, Transfette und eine ganze Reihe an E-Zusatzstoffen seien an der Tagesordnung. Diese „würden im Hirn wie Drogen wirken“ meint Sükar. Ob auch bei anderen Konzernen ähnliche Verhältnisse herrschen, kann man nur vermuten, aber sicherlich sind Ketten, wie Buger King oder KFC auch keine Unschuldslämmchen.

Aber dieses Konzept, auf dem die Grundsätze der Fastfoodindustrie ruhen (billig, lecker und schnell) kommt bei den Kunden trotzdem gut an. Dafür sprechen die Umsätze, die die Fastfood Giganten McDonald‘s und Burger King zusammen 2018 allein in Deutschland erwirtschafteten, das sind laut Statista nämlich 3.470.000.000 €.

Die Kunden scheinen nicht zu wissen, was bei den heißgeliebten Fastfoodketten vorgeht oder sie wollen einfach nur verdrängen, dass die Fastfoodbranche alles andere als gesund und gut für unseren Planeten ist. Denn seien wir ehrlich, es ist schon sehr praktisch in die nächste McDonald´s-Filiale zu gehen, schnell an der Kasse oder am Automaten sein Menü zusammenzuwürfeln und in zwei Minuten einen Burger vor der Nase zu haben.

Genau dort wollen die Gründer der neuen Kette „Swing Kitchen“ ansetzen. Das österreichische Gründerehepaar hatte die Idee, umweltfreundliches Fastfood herzustellen, das trotzdem wie gewohnt schnell am Tisch und lecker ist.

Sie gingen aber noch einen Schritt weiter. Da Herr und Frau Schillinger schon seit vielen Jahren begeisterte Veganer sind, war für sie von Anfang an klar: Wir machen nur vegane Menüs. Und so haben sie alles neu erfunden, und so lange herumprobiert, bis sie vegane Burgersoßen, Burger Buns und, das Schwierigste, gut schmeckende Vegane Pattys hatten.

Im Gasthaus, das Charly Schillinger von seinen Eltern übernommen hatte, boten sie testweise ihr erstes Stück veganes Fleisch an. Die Resonanz war überragend. So eröffneten die Schillingers ihr erstes veganes Burgerrestaurant in der Wiener Innenstadt. Inzwischen gibt es 9 Burgerläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz und ständig kommen neue hinzu.

Wir haben den Test gemacht. Nach einem Interview mit einer Klimaaktivistin von Ende Gelände im Jakob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (Artikel und Audio-Interview findet ihr ebenfalls hier auf unserem Blog) hatten wir Hunger bekommen. Aber nicht etwa Hunger auf ein Fleischgericht, sondern auf etwas Umweltfreundliches, das aber auch schmeckt.

Schnell kamen wir auf das vegane Burgerrestaurant Swing Kitchen um die Ecke. Stylisch eingerichtet in einem S-Bahn Bogen in der Nähe des Bahnhofs Friedrichsstraße befindet sich das Fastfoodrestaurant der etwas anderen Art. Es wird alles angeboten, was es auch in einem konventionellen Fastfoodladen gibt. Von Nuggets bis Cola gibt es alles, nur halt mit eigener, klimaschonender Rezeptur.

Was für besondere Klimafreundlichkeit sorgt, sind die plastikfreien Verpackungen, die alle zu 100% biologisch abbaubar und damit auch theoretisch kompostierbar sind. Highlights sind natürlich die Burger. Durch mehrere Sorten herrscht immer Abwechslung. Ein besonderer Tipp von mir sind die Dips für die Pommes, die nochmals für einen besonderen Geschmack sorgen.

Das vegane Fleisch ist dem echten tatsächlich ähnlich. Nicht nur in Sachen Geschmack, sondern auch die Konsistenz kann sich sehen lassen. Allerdings ist das Fleisch, im Gegensatz zu den Burgern von anderen Fastfoodketten, oftmals nicht der Hauptbestandteil und sorgt nicht für den Geschmack. Das leisten nämlich die restlichen Zutaten, wie das Gemüse oder die Soßen.

Einziger Kritikpunkt sind die Preise, die aufgrund der speziellen Zutaten und der aufwendigen Herstellung oftmals teurer sind, als die anderer Ketten. Für einen einzelnen Burger zahlt man um die 6,- €, für ein ganzes Menü (Softdrink + Pommes + Burger) um die 9,- €.

Im Geschmackstest gab es von der Redaktion nur ein Fazit: Großartig! Sogar die Veganerin in unserer Redaktion war überzeugt. Sie hätte nie gedacht, dass veganes Fastfood mit einer so guten Qualität und tollem Geschmack funktionieren kann.

Das Konzept kommt an. Und das in allen möglichen Zielgruppen. Zu jeder Öffnungszeit sieht man die verschiedensten Menschen in dem Restaurant sitzen. Sei es der Hipster von der Ecke, der typische Berliner Tourist oder ganz normale Studierende und arbeitende Leute, die in ihrer Mittagspause schnell etwas Leckeres und trotzdem Nachhaltiges essen wollen, alle kommen zu Swing Kitchen. Zu manchen Uhrzeiten muss man sich sogar Sorgen machen, dass man noch einen Platz bekommt.

Von der Kalorienanzahl her ist das vegane Fastfood nicht unbedingt besser als normales. Dafür hat das vegane, durch seinen hohen Gemüseanteil wesentlich mehr Ballaststoffe und Vitamine. Damit hat man im Gegensatz zu anderen Ketten bei Swing Kitchen eine Vollwertige Mahlzeit bekommen. Und ich hatte das erste Mal bei einem Burger einer Fastfoodkette das Gefühl, dass ich satt geworden bin. Auch das spricht für Swing Kitchen.

Alles in allem kann man sagen, dass das Konzept ankommt. Das sieht man auch daran, dass Ketten wie McDonald‘s mit veganen Burgern nachziehen. Die besten veganen Burger gibt es meiner Meinung nach aber trotzdem immer noch bei Swing Kitchen.

In Berlin gibt es derzeit 2 Filialen der Kette. Eine am Bahnhof Friedrichstraße und eine in der Rosenthalerstraße. Natürlich ist es bequemer eine Filiale der großen konventionellen Ketten anzusteuern, da man diese ja an jeder zweiten Ecke findet. Wer aber den etwas weiteren Weg zur Swing Kitchen auf sich nimmt, wird definitiv nicht enttäuscht. Guter Geschmack in einer Umweltfreundlichen und gesunden Kombination. Das findet man nur in der ersten veganen Burgerkette der Welt.

Das ist einfach leckeres Fastfood mit gutem Gewissen!

Text und Bilder: Tim Bielig