Kekse, Chaos und Politik – Wie wählte das Gemont?

Ein Insider-Bericht zur U18 Wahl

Wir schreiben den 17.09.21, es ist 8 Uhr. In Berlin öffnen die Wahlbüros. Jedoch nicht überall, sondern nur in den Schulen und auch da nur, für Schülerinnen und Schüler unter 18 Jahren. So auch bei uns am Gemont.

Durchgeführt wurde die Wahl von Schüler*innen unserer Schule, die in Kooperation mit Lehrer*innen schon ab halb acht Tische rückten, Wahlurnen und Wahlkabinen aufstellten und Formulare ausfüllten, sodass pünktlich um acht angefangen werden konnte zu wählen. Gewählt wurde bei uns übrigens sowohl in der Bibliothek als auch im kleinen Lehrerzimmer, wobei nach Klassen unterschieden wurde, wer wo wählen gehen durfte, um ein Chaos und Staus bestmöglich zu vermeiden.

Die über 600 teilnehmenden Wählerinnen und Wähler unserer Schule dürften meistens mit folgenden Worten begrüßt worden sein: „Hallo, ihr wollt wählen gehen? Schön, dann bitte einmal den Nachnamen und die Klasse.“

Für alle Datenschützer*innen: keine Sorge, hier wurde weder notiert was ihr gewählt habt, noch führte das Nichtwählen zu einer schlechteren PW-Note. Nur zur Ermittlung der Statistiken und zum Sicherstellen, dass niemand doppelt wählt, würden diese Daten gebraucht, ließ ich mir von den Wahlleiter*innen erzählen. Und auch die Phrase, „Ihr wollt also wählen gehen?“, wurde nicht rein zufällig gesagt. „Das Sicherstellen, dass jede*r Anwesende auch freiwillig wählen gehen will, ist gesetzlich sogar vorgeschrieben“, wurde mir erzählt. So irrelevant, wie sie vielleicht erscheint, war die Frage also tatsächlich nicht.

Nach Wahlschluss um 13 Uhr, begann dann der wahre Aufwand. Denn in der diesjähirgen Berliner U18-Wahl, wurde nicht nur über den Bundestag, sondern auch das Abgeordnetenhaus, die BVV und einen Volksentscheid zur Enteignung großer Immobilienkonzerne entschieden. So chaotisch, wie die Auszählung dann aussah, war sie allerdings gar nicht. Denn nur knapp 90 Minuten nach ausschütten der Wahlurne, waren die Ergebnisse schon vorhanden.

Der Volksentscheid zur Enteignung wurde mit großer Mehrheit angenommen, wenig Zuspruch erhielt unter anderem die AFD, viel Zuspruch dafür die Grünen und die Linke. So würde, wenn es nach dem Gemont ginge, unter anderem Gregor Gysi von den Linken, der Direktkandidat unseres Wahlkreises für den Bundestag werden. Ob da vielleicht auch unsere Schulpatenschaft mit ihm ihr Übriges geleistet hat? (Wer darüber etwas erfahren möchte: https://freiflieger.blog/2019/09/06/gemontaudio-interview-mit-unserem-schulpaten-gregor-gysi/)

Die Wahlergebnisse im Detail gibt es hier.

Eine Aufwandsentschädigung, wie bei der richtigen Wahl, bekamen die am Auszählen freiwillig teilnehmenden Schüler*innen zwar nicht, wurden aber bestens mit Keksen aller Art versorgt und erhielten zusätzlich ein Formular, das ihnen bescheinigte, an der U18-Wahl mitgearbeitet zu haben. Und ist es nicht eigentlich schon Belohnung genug sagen zu können: „Ich habe schon mal eine richtige Wahl mitorganisiert“?