Deutschland in der Klimakrise – Was sollten wir tun?

Podiumsdiskussion am Gebrüder-Montgolfiere Gymnasium

Die Klimakrise ist das Thema unserer Zeit. Das meint nicht nur ein Großteil der Politik, sondern auch ein noch größeren Teil der Forschung. Dass die Klimakrise das bequeme Leben von uns allen schon in absehbarer Zeit massiv bedroht, ist jedoch leider nicht allen klar. Schon gar nicht uns Menschen aus den gut entwickelten Industriestaaten, obwohl wir durch unseren Lebensstil die Verursacher der ganzen Misere sind. 

Umso wichtiger ist es, schon in den Schulen aufzuklären und zumindest zu versuchen ein Kilmabewusstseins zu vermitteln.

Am Dienstag den 7.9.21 hat deswegen schulintern von 18 bis 20 Uhr in unserer Caféteria eine Podiumdiskussion  unter dem Titel „Deutschland in der Klimakrise – Was sollten wir tun?“ stattgefunden. Viele interessante Gäste wurden für dieses Event zu uns eingeladen. Unter ihnen befanden sich

  • Dr. Götz Kaufmann, Politologe, Gründer des Environmental Justice Institute (EJI)
  • Tim Schulze, Ingenieur und Buchautor („In Zukunft hitzefrei?“)
  • Heiko Bruns, Initiative autofrei leben
  • Lilly Höhn, Referentin Energie- und Klimapolitik des BDI (Bund der Industrie)

Unsere Mitschüler*innen Christiane Bauer und Tim Bielig leiteten die Diskussion zu den Themen Mobilität, Energie, soziale Gerechtigkeit und die Rolle Deutschlands im globalen Klimaschutz.

Nach einer kleinen Vorstellungsrunde der Gäste begann die Diskussion.

„Damals hat der Klimawandel noch niemanden interessiert“, lautete ein Eingangsstatement. Und gerade das ist unser Problem, wir leben in einem privilegierten Land, wo wir die Krise erst bemerken werden, wenn es schon viel zu spät ist. Ohne Aufwände mit dem Ziel der Besserung wird unsere Zukunft nicht glimpflich aussehen. Mit erneuerbaren Energien würden wir schon weit kommen, jedoch müssen die Strommassen für Industrie und die ganze Bevölkerung auch irgenwo herkommen. Um das erreichen zu können, müssten wir Flächen, die jetzt noch Natur sind, in Wind- oder Solarparks verwandeln.

Sich auf ökologischere Weise fortzubewegen, wäre auch ein großes Plus. Aber wer will schon mehrere Stunden Bahn fahren, wenn man einen schnellen Flug nehmen kann? Alleine schon der Bau von Maschienen, Autos und Flugzeugen stellt 70% des Energieverbrauchs der Industrie dar.

Hier müsste zuerst angesetzt werden, da wir, die Verbraucher, zahlen, was die Industrie an Emissionen produziert und nicht sie selbst. 

Ein netter Nebeneffekt bestünde außerdem darin, dass die Energiekosten immer höher würden und  Verbraucher es sich nicht mehr leisten könnten, die Heizungen anzuschalten. Nur  die CO2-Preise zu erhöhen schade also vor allem den Verbrauchern. Allerdings nicht den Personen, die es ändern könnten, es aber nicht tun.

Beispiel: Die Bewohner eines Hauses zahlen die CO2-Kosten ihrer Heizungen, welche die Vermieter*innen durch andere, umweltfreundlichere Heizungen ersetzten könnten, was sie aber Geld kosten würde. Daher werden sie die Heizungen behalten, die nur mit Gas und Öl auskommen.

Da diese Stoffe aber Emissionen erzeugen, die man vermeiden könnte, muss man extra Steuern für sie zahlen, da die Vermieter das Problem einfach beheben könnten.

Um bei Energie und Strom zu bleiben: Digitalisierung ist ein weiteres bedeutendes Thema im Kontext des Klimawandels. Finden wir alle gut, oder? Bis wir erkennen, dass uns der ganze Spaß noch mehr Energie kostet, die wir irgendwo klimafreundlich produzieren müssten.

CO2 ist also letzendlich das Problem, nicht die Stromkosten.

Zudem kommt, dass ökologisch leben nicht günstig ist. Stichworte sind hier Biomarkt (man blicke hierbei auf die enormen Preisunterschiede zu konventionellen, wenig klimaneutral hergestellten Lebensmitteln) und Bahnfahren. Außerdem ist es noch nicht möglich, Klimaneutralität beim Konsum und der Mobilität überall zu praktizieren, wie zum Beispiel in abgelegenen Gebieten oder bei ärmeren Menschen, die sich kein Bio-Leben leisten können.

Die perfekte Idee der Mini-Stadt, in der innerhalb von 15 Minuten von überall alles zu erreichen sein soll, möglichst mit Rad oder zu Fuß, ist vom Dorf aus, selbst mit Auto, ist schlicht und ergreifend nicht umsetzbar und in Kombination mit den einfach nur brillianten Verbindungen durch die öffentlichen Verkehrsmittel schon gar nicht. Bisher ist diese Idee nur in der Stadt und auch nur in dichten Gebieten möglich.

Ein Vorteil ist jedoch, dass man innerhalb dieser kleinen Ortschaften oder Städten heutzutage alles mit dem Rad erreichen kann oder auch mal zu Fuß gehen. Die Farradwege werden immer weiter ausgebaut, weswegen Fahrradfahren nicht nur sicherer, sondern auch praktischer gemacht wird.

Ein weiterer Gedanke, auf den Heiko Bruns von der Initiative autofrei leben hingeiwesen hat, ist, dass man einen kostenlosen Nahverkehr einführen könnte, der dann (hoffentlich) zu weniger Autonutzung führte. Man muss Klimafreundlichkeit attraktiver machen und nicht mit elendigen Mehrkosten verbinden. Kann man kostenlos mit Bus und Bahn fahren, springt man wahrscheinlich eher in solch eine Mitfahrgelegenheit, als wenn man auf die lange Preisliste schaut. 

Zudem wird somit auch das Problem des Parkens gelöst. Zu oft entsteht die Situation, dass man zwar am Ziel ist, aber noch Ewigkeiten nach einem Parkplatz suchen muss. Zudem wären die Straßen leerer, was die Zuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel steigern könnte.

Aber nicht nur die Bevölkerung möchte klimafreundlicheres Fahren, sondern auch einige Parteien im Bundestag, die sogar soweit gehen, dass sie bereits Forderungen stellen. Beispielsweise wollen die Piraten keinen Dienstwagen sondern ein Dienstfahrrad. So hätte man mit gutem Gewissen zur Arbeit radeln können, doch leider wurde dieses Vorhaben damals nicht genehmigt.

Für uns war es eine Bereicherung eine Podiumsdiskussion zur Klimakrise an unserer Schule miterleben und sogar mitmoderieren zu dürfen. Die eingeladenen Expert*innen haben ein ganz neues Licht auf das Thema geworfen. Besonders interessant war es zu erfahren, dass Tim Schulze für das Wirtschaftsministerium und Lilly Höhn für den BDI arbeiten und sich trotzdem für den Klimaschutz engagieren.

Vor allem aber erfreute der Politologe Götz Kaufmann das Publikum mit seinen kontroversen und durchdachten Statements. Dafür erntete er auch den ein oder anderen Applaus.

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden, unserem großartigen Podiumsdiskussionsredaktionsteam sowie den unterstützenden Lehrer*innen für diesen großartigen Abend.