Halloween Virus

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/k%c3%bcrbis-halloween-beleuchtet-laterne-2892303/

Schon wieder eine langweilige Halloween-Party mit meiner Schwester und ihren vielen, kreischenden, tollpatschigen und kleinen Freunden.

Was ich mich fragte?

WARUM!

Warum musste ich jedes Mal mit um die Häuser ziehen?! Und warum musste ich immer mit den Kindern spielen?! Ich hasste Halloween! Ich hasste kleine Kinder! Jetzt mal ehrlich, wer denkt sich aus, mit irgendwelchen Monsterkostümen (die dann nicht mal gruselig aussahen) auf die Straße zu gehen und nach Süßigkeiten zu fragen?

SÜßIGKEITEN!

Das ist genauso wie Hausaufgaben über die Ferien aufzubekommen. Ich meine: ernsthaft?

„Mila!“, rief meine Mutter gerade. „Ja, Mama, das bin ich!“, rief ich zurück.

Jep, das bin ich. 15 Jahre alt, unscheinbar, aber doch noch auffällig genug, um von Caroline und ihrer Bande von Werwolf-Freunden ausgelacht und runter gemacht zu werden. Ja, das beschreibt so ziemlich mein ganzes, trauriges Leben.

„Mila!“, rief meine Mutter diesmal etwas lauter. „Bin unterwegs!“, rief ich zurück und rannte die Treppe runter (erwartet nicht von mir, dass ich hier das Wort „hinunter“ benutze! Dann könnt ihr gleich aufhören zu lesen. Ich hasse diese Vorsilbe!)

Als ich also unten am Esstisch angekommen war, roch es nach Nudeln. Auf dem Tisch standen das Besteck und die Teller schon bereit und meine Mutter war gerade dabei, die Nudeln in einen großen Topf zu füllen.

Ich setzte mich auf meinen Platz und mir fiel ein kleiner roter Zettel auf. Ich wollte ihn mir nehmen und lesen aber meine Mutter schnappte ihn mir vor der Nase weg.

„Nichts für dich!“, sagte sie, hatte aber dabei einen komischen drohenden Unterton. Ich ließ es lieber, nochmal nachzuhaken und fing an zu essen. Meine kleine Schwester Lilly schmatzte neben mir lauthals und Mama ermahnte sie.

Seht ihr? Ein ganz normaler Tag bei uns, wie immer. Dachte ich … 

***

„Du wirst nicht glauben, was ich heute in meinem Spind gefunden habe!“, kicherte mir meine beste Freundin Lilly ins Ohr. „Ich öffnete ganz normal den Spind und plötzlich fiel mir ein kleiner roter Umschlag in die Hände! Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass der von Leon ist! Endlich gesteht er mir seine Liebe!“, kicherte sie aufgeregt.

In Leon ist sie seit der ersten Klasse unsterblich verliebt. Ich konnte das schon nicht mehr hören und zog sie in die Klasse.

„Bücher aufschlagen auf der Seite 45“, dieser Satz war mein Stichwort um abzuschalten. Kaum hatte Frau Fopel (Ich glaube ihr könnt euch schon vorstellen, wie wir sie immer nennen) das tonnenschwere Mathebuch rausgeholt, war ich schon in meiner Welt …

„Frau Fopel, Sie wissen, dass ich Sie und ihren Unterricht sehr schätze, dennoch ist es nicht gestattet im Unterricht einzuschlafen. Meinen Sie nicht?“, weckte mich Caroline meinem Tagtraum. Ich hasste diese säuselnde, schleimerische Stimme von Caroline!

„Vielen Dank Caroline! Da hast du sehr gut aufgepasst! Mila Marven, wenn Sie es unterlassen würden, in meinem Unterricht zu schlafen, wäre ich ihnen überaus dankbar. Das gibt einen Eintrag im Klassenbuch. Ab zum Direktor!“

Ich muss sagen, ich war darüber eigentlich ganz froh, denn so verpasste ich eine halbe Stunde Mathe! Ich quälte mich also aus meinem Stuhl raus und warf Caroline einen giftigen Blick zu. Sie sah mich triumphierend an. Irgendwann musste ich es ihr heimzahlen. Irgendwann …

***

Stille.

Denkt nicht, dass ich diese Stille zum ersten Mal hörte, weil ich schon oft zum Direktor musste. Aber jedes Mal war es fast ein Wunder, meine Schule, die fast in jeder Pause ein Affentheater aus wilden Verrückten bestand, so leer und friedlich vorzufinden.

Doof war nur, dass das Direktorrat ganz oben war und ich 176 Stufen gehen musste (da seht ihr mal wie oft ich schon da hoch musste).

Ich schleppte mich also die vielen Stufen hoch und keuchte so sehr, dass es überall in den Fluren hallte. Jedes Mal ein Workout! Aber ich war angekommen. Endlich.

Die Tür war offen, was sehr komisch für unseren Direktor war, da er die Türen immer schloss und auch sehr großen Wert darauf legte, dass die Schüler immer alle Türen schlossen. Sicherheitshalber klopfte ich an und lugte durch den Türspalt (Naaaa merkt ihr schon, dass es spannend wird?).

„Setzen Sie sich, Miss Marven“, dröhnte schon meinem Schuldirektor.

Aber ich rannte. So schnell bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht gerannt. Als ich endlich unten angekommen war, wollte ich die Tür aufreißen, aber sie war verschlossen!

Ich wusste, wo der Schlüssel war! In der roten Kiste. So nannten die Schüler ein rotes Regal, dass man auf und zu machen konnte. Es war ein sehr hohes Regal, fiel mir diesmal auf. Aber ich weiß, was ihr jetzt denkt. Nein, der Schlüssel hing nicht, wie in klassischen Gruselgeschichten, ganz oben! Er hing schon in der zweiten Reihe von unten.

Ich riss ihn aus dem Haken und rannte zur Tür zurück. So gut hat mir die frische Luft noch nie getan. Jajaja.

„Bist du dumm oder so?! Warum bist du aus dem Büro gerannt?“, werdet ihr jetzt denken.

Weil mein Lehrer verdammt noch Mal … mein Zeugnis in der Hand hatte! Kleiner Spaß am Rande! Aber jetzt Spaß bei Seite: Ohne Witz, neben dem Direktor stand Caroline!

Sie hatte schwarze Masse an ihren Mundwinkeln und von meinem Direktor … war nicht mehr viel übrig. Sie sah aber nicht aus wie sie selbst, denn sie hat mich psychohaft angelacht als hätte sie das alles so geplant.

Und jetzt kommt der Hammer: ein kleiner roter Brief lag auf dem Schreibtisch. Ich hätte echt nicht gedacht, dass mein Direktor Liebesbriefe …

„MAMA“, ob ihr es glaubt oder nicht ich bin noch schneller nach Hause gerannt, als die Treppen in der Schule runter.

Ich riss die Tür auf und trat auf etwas Schleimiges. Und nein, es war nicht schwarz. Es war rot. Dunkelrot. Und fünf Meter weiter lag meine Mutter.

Ich musste mich übergeben. Mehr werde ich nicht in die Details gehen.

Vielleicht träumte ich wirklich nur! Ich rief meine Freundin Lilly an und sie ging tatsächlich an ihr Handy.

„Mila was ist nur passiert? Meine Mutter! Mein Vater! Meine Schwestern! Alle sind …“

„JA Lilly ich weiß! Meiner Mutter geht es genauso! Aber überleg mal! Denkst du wirklich, so etwas gibt es in echt? Und glaubst du wirklich Caroline zieht um die Häuser und tötet jeden, den sie in die Finger kriegt?“

„Mila jetzt aber wirklich, ich weiß, dass du Caro nicht magst, aber sie wird doch nicht um die Häuser gehen und alle umbringen!“. Ich stockte. „Aber ich habe gesehen, wie Caroline unseren Direktor gerad e… na du weißt schon!“, rief ich in den Hörer.

„Was? Nein! Bei mir waren es Fremde! Komische Leute!“, also gab es noch mehr creepy-Leute, die alle umbringen wollten! „OK Lilly, schließ dich in einem Zimmer ein und geh nicht da raus! Ich werde googeln, was diese komischen Dinger sind!“ Ich versuchte ruhig zu bleiben. „Ok. Aber pass auf dich auf und ruf mich an, wenn du etwas rausgefunden hast!“, kam es von der anderen Seite und sie legte auf.

Jetzt war ich auf mich allein gestellt! Ich sprang an den Computer und googelte eine halbe Stunde. Ich fand heraus, dass die Kreaturen sich mit Hilfe von roten Giftbriefen verbreiteten und jeder der den Brief öffnete, wurde von den Kreaturen getötet, wurde danach selber zu so einem Monster.

Sie konnten aber abgeschreckt werden von: gesunden Sachen. Und jetzt ratet mal womit sie sich vermehren: Süßigkeiten!

Ich rannte in die Küche und öffnete unser Süßigkeitenfach. Alles leer! Sogar meine Joguretten waren weg! Also muss man sie mit gesunden Sachen von sich fernhalten können. Und die beste Nachricht war, dass, wenn man sie alle erwischen konnte, alles was sie angestellt haben, verschwindet und wieder normal wird.

Das hieße, meine Mutter wurde wieder lebendig! Jetzt denkt ihr wahrscheinlich, dass sie auch zu so einem Monster geworden sein müsste. Ja, aber nur, wenn aus dem Körper schwarze Flüssigkeit kommt, wie aus dem Körper von meinem Direktor. Und meine Mutter lag blutig vor mir.

Schon gute Nachrichten!

Jetzt stand ich allerdings vor dem nächsten Problem: wer weiß wie viele von diesen Dingern es schon gab und wie viele Briefe sie schon verteilt hatten. Man könnte vielleicht bei der Feuerwehr oder Polizei oder Feuerwehr anrufen (falls da noch Menschen arbeiteten) und darum bitten mit mehreren Helikoptern, die Gemüse in einem Netz transportierten um die Stadt zu fliegen. Damit müssten alle Kreaturen gebändigt und zurück verwandelt werden!

Ich bin bereit für den Applaus, ihr dürft jetzt klatschen.

„Hoffentlich glauben die mir das!“, murmelte ich zu mir selbst und schnappte mir das Festnetztelefon. Ich wählte die Nummer und wartete. In der Zeit, in der ich hier sitze, wurden vielleicht 100 Menschen zu Carolinas Armee.

„Polizei #######, was kann ich für Sie tun?“, kam auf einmal aus dem Hörer.

Ich erschrak kurz, antwortete aber dann: „Mila Marven hier. Ich rufe an, weil ich Ihre Hilfe brauche! Vielleicht glauben Sie mir das jetzt nicht, aber meine Mutter und die ganze Familie einer Freundin wurden von Kreaturen…. getötet kann man nicht sagen. Aber sie haben etwas mit ihnen gemacht.“,

Ich erzählte ihnen alles. Von meinem Direktor, meiner Mutter, von den Süßigkeiten und von meinem Plan. Überraschender Weise glaubten sie mir und lobten mich sogar. Sie meinten zu mir, dass sie die Helikopter bereit machen würden.

Woher sie das ganze Obst und Gemüse nehmen wollten, war mir noch unklar aber das überließ ich einfach mal ihnen.

Dass die nicht mal selber auf die Idee gekommen sind, irgendwas zu unternehmen, nee das überlassen wir lieber 15-jährigen Kindern. Auch gut!

Ohne Lilly würden wir das allerdings nicht schaffen, weil sie nämlich sehr viele Süßigkeiten bei sich zu Hause hatte. Ihr zu Hause könnten wir als Köder nehmen.

Es wäre ziemlich ungünstig, wenn sie verwandelt werden würde, aber sie hatte sich ja gut verbarrikadiert: außerdem können die Lilly nur verwandeln, wenn sie ihr so einen Brief geschickt hätten. Jetzt musste ich sie nur noch anrufen und ihr alles erzählen. Ich schnappte mir das Telefon noch einmal und wählte ihre Nummer.

Sie ging nicht ran. Wahrscheinlich hatte sie vor lauter Angst das WLAN ausgeschaltet. Oder sie saß über dem kleinen roten Liebesbrief, den sie von Leon bekommen hatte …

Ende …

Oder vielleicht auch nicht?