Berlin – eine unvollendete Metropole

Es ist kalt in der alten, maroden Lagerhalle. Der Wind scheint durch jede Ritze zu pfeifen und die Eiskristalle an den Innenseiten der Fensterscheiben deuten auf eine niedrigere Innen- als Außentemperatur hin. Innerhalb dieser dystopischen Szenerie, die auch gut als Kulisse für das Geheimversteck eines James Bond-Bösewichtes dienen könnte, steht ein Urwald aus Schildern, Plakaten, Leinwänden und Informationstafeln. Die Leute, die in diesem Dschungel umherwandern, sind dick eingepackt in Schals, Mützen und Wollhandschuhe. Entfernt erinnern sie an Mitglieder einer Sibirien-Expedition.

Foto: Tim Bielig/Eigene Aufnahme

Was allerdings, machen zwei Geo-Leistungskurse auf einer Exkursion hier?

Eine Exkursion hierher erscheint nur auf den ersten Blick seltsam. Bei genauerem Hinsehen jedoch, entdeckt man am großen, steinernen Tordurchgang, den man auf dem Weg zur Lagerhalle durchqueren muss, ein großes, hängendes Plakat-Banner. „Berlin – eine unvollendete Metropole“, verkünden die Buchstaben unter dem experimentellen, bunten Bild.

Unter diesem Banner vor dem Torbogen, der zum Peter-Behrens-Bau gehört, stehen zwei Geo Leistungskurse aus dem 11. Jahrgang und versuchen, während des Wartens auf ihre Guides, an diesem Kältesten aller Wintertage, nicht zu erfrieren.

Dann, endlich, erscheint der Guide meiner Gruppe. Eine kleine, ältere, gedrungen wirkende Amerikanerin begrüßt uns mit ihrem englischen Akzent. Wir setzen uns in Bewegung, zunächst in den Peter Behrens Bau selber, was alle angesichts der dort herrschenden Wärme gerne tun.

Der Peter-Behrens-Bau ist ein großes, imposant wirkendes, steinernes Gebäude aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, welches an der Spree in Oberschöneweide über der Hochschule für Technik und Wirtschaft thront. Im Gebäude, oder besser gesagt auf dessen Areal, befindet sich in einer zugigen Lagerhalle eine Sonderausstellung zu 100 Jahren Stadtgeschichte von Berlin und Umgebung. Auch ein Ausblick in die Zukunft Berlins, bei dem die Ergebnisse mehrerer Architekturbüros zum Ideenwettbewerb „Berlin in 50 Jahren“ vorgestellt werden, befindet sich dort.

Foto: Tim Bielig/Eigene Aufnahme

Die Ausstellung befand sich ursprünglich im Kronprinzenpalais unter den Linden. Doch dann kam Corona und das Kulturleben in Berlin wurde eingestampft. Jetzt versucht das Land Berlin, welches der Veranstalter der Ausstellung ist, ebendiese wiederzubeleben. Als Ort dafür haben sie sich jedoch wider jeglicher Attraktivitätslogik nun einmal diese Lagerhalle im Südosten Berlins auserwählt. Schlecht für die Touristen, gut für uns, liegt das Gemont doch fast fußläufig von Schöneweide entfernt.

Der Peter-Behrens-Bau an sich, hat jedoch auch einiges zu bieten. So lässt es sich unser Guide nicht nehmen, uns zunächst durch diesen zu führen. Wir besuchen unter anderem den neo-romanischen Lichthof, welcher unter anderem als Kulisse für die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ diente.

Der Lichthof, Foto: Tim Bielig/Eigene Aufnahme

Mit einem Paternoster und vielen, vielen Treppen, die schlussendlich in einer Wendeltreppe und einer Stiege mit einem zu überkletternden Querbalken enden, erreichen wir anschließend die „Aussichtsplattform“ des 60 Meter hohen Wasserturms des Behrens Baus (seinerzeit das höchste Bauwerk Deutschlands, abgesehen von Kirchtürmen). Hier oben ist es zwar nicht weniger kalt und zugig als am Boden, die Aussicht bis zum Zentrum und über die Stadtgrenzen hinaus entschädigt aber für den 10 Minuten langen Aufstieg und die frostigen Temperaturen. Erst hier wird mir bewusst, wie flach Berlin eigentlich ist. Kaum Hochhäuser prägen das Stadtbild. Hätten wir nicht den Fernsehturm und die wenigen Hochhäuser am Alex, würde sich Berlin fast wie eine Scheibe aus Beton in das umliegende Brandenburg einfügen. Berlin kann man eben nicht mit anderen Städten, wie London oder New York vergleichen.

Der Blick vom Turm in Richtung Westen, Foto: Tim Bielig/Eigene Aufnahme
Und in Richtung Osten, Foto: Tim Bielig/Eigene Aufnahme

Es folgte noch der Besuch der Ausstellung an sich, die ich wirklich jedem, der sich für Stadtgeschichte und die Zukunft Berlins interessiert, wärmstens empfehlen kann. Das „Wärmstens“ ist hierbei allerdings wahrlich nicht wörtlich zu nehmen. Im Winter sollte man sich wirklich gut angekleidet hierher begeben, um als Ergebnis der Ausstellung nur eine Menge neuer Eindrücke, und nicht eine Erkältung zu erhalten.

In der polaren Kälte der Ausstellung, Foto: Tim Bielig/Eigene Aufnahme

Berlin – eine Unvollendete Metropole befindet sich im Behrensbau, Halle 5, in der Ostendestr. 1-4, 12459 Berlin-Oberschöneweide

Der Eintritt ist kostenfrei, ein 2G Nachweis für nicht-Schüler aktuell verpflichtend (bitte beachtet die aktuellen Covid Regeln)

Geöffnet von Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr https://unvollendete-metropole.de/

Tim, 11. Jahrgang