Schuldruck, Schulstress, zu hohe Erwartungen – WIR kennen es!

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Stress ist wahrscheinlich eines der am häufigsten genutzten Wörter in unserem alltäglichen Sprachgebrauch.

Jeder benutzt es – Familie, Freund*innen, Nachbar*innen.

Kurze Aussagen wie „Ich bin gestresst.“ oder „Das ist echt stressig.“ hören wir aus jeder Ecke.  

Sie werden zwar eher nur so nebenbei gesagt, können jedoch tiefere Wurzeln haben.

Stress kann sich auf der einen Seite bis zu einem gewissen Punkt positiv auf unsere Produktivität auswirken und somit bessere Leistungen ermöglichen. Ist dieser Punkt jedoch überschritten und er hält länger an, kann er uns psychisch und körperlich belasten.

Das lässt sich auch in dem Schulalltag vieler Schüler*innen wiedererkennen. Wenn eine Klassenarbeit ansteht oder man noch schnell ein Referat vorbereiten muss, kann im Schulalltag schon einmal Stress auftreten. Das ist normal. Hält dieser Zustand aber über einen längeren Zeitraum an, hat er möglicherweise negative Folgen. Kopfschmerzen, anhaltende Nervosität, Leistungsabfall – Schulstress kann viele Symptome hervorrufen.

Die häufigsten Ursachen, auf der das Ganze beruht, sind meistens die eigenen Erwartungen an sich selbst und die Erwartungen der Familie und der Schule. Die Menschen neigen dazu, alles perfekt machen zu wollen, sie haben das Gefühl mit dem was sie erreicht haben, nicht an ihr Ziel herangekommen zu sein oder andere Menschen zu enttäuschen. Wir sprechen aus Erfahrung.

Man könnte mich als das perfekte Paradebeispiel für einen Perfektionisten bezeichnen.

Egal was ich mache, ich setze mich bei allem unter Druck und gebe immer 115 %.

Das liegt in meiner Natur, ich fühle mich sonst einfach nicht vollkommen. Das Gefühl was ich dabei verspüre ist leicht zu beschreiben:

Es ist als würde jemand mein Herz umschließen, fester zudrücken und erst loslassen, bis ich zufrieden mit meiner Arbeit bin.

Andere machen 30 Minuten Hausaufgaben, ich mache sie 2-4 Stunden. Ich leide jeden Tag unter Kopfschmerzen, da ich mich hintenanstelle und beim Arbeiten vergesse etwas zu mir zunehmen. Schlafstörungen prägen meine Nächte – zum einem wegen meiner langen Arbeitszeiten und zum anderem, weil meine Gedanken im Bett dann ebenfalls nur über „das Morgen“ kreisen.

Es ist leicht zu sagen – ich lebe nicht im Hier und Jetzt, sondern in meinen Phantasievorstellungen einer perfekten Schülerin.

Manchmal steigt der Druck so sehr an, dass es aus mir herausbricht und ich Panikattacken erleide.

Darunter leide nicht nur ich, sondern auch viele andere in meinem Umfeld.

Jeder geht bloß anders mit dem Druck um. Eine meiner Freunde schafft es diesen Stress mithilfe ihrer Sportaktivität abzubauen. Vielleicht ist es das, was mir fehlt.

An dieser Stelle haben wir uns also gefragt, wie wohl die Erfahrungen der Schüler*innen an unserer Schule aussehen. Wir sind durch die Schule gelaufen und haben ein paar von ihnen interviewt.

Hier sind ihre Antworten:

„Wie lange sitzt du an deinen Hausaufgaben? Und denkst du, dass du es schaffst sowohl deine Hausaufgaben als auch dein Privatleben unter einen Hut zu bekommen?“

Person a (Klassenstufe 11):

„To be honest, es fällt mir schon etwas schwer die Hausaufgaben und mein Privatleben zu vereinen. Oft war es auch schon so, dass ich mich nicht mit meinen Freunden getroffen habe, weil ich noch eine Menge für die Schule machen musste. Ich meine, ich habe Freunde, die wohnen in meiner Nähe, aber die sehe ich fast nur alle drei Wochen … nenn mir den Fehler?! Wenn ich mich mit meinen Freunden treffe, dann eher in den Ferien. Jedoch muss ich sagen, dass ich meine Freunde jede Woche beim Sport sehe. Das lenkt auch etwas von dem Schulstress ab und ich kann von dem Ganzen abschalten.“

Person b (Klassestufe 10):

„Oh Gott, ich denke mal so 2-3 Stunden? Das liegt meistens auch an der Menge der Hausaufgaben und dass ich mir erst mal im Klaren darüber werden muss, was überhaupt von mir verlangt wird. Mit meinen Freunden unterhalte ich mich meistens nebenbei über Discord, weil ich es sonst von der Zeit her nicht wirklich schaffe.“

Person c (Klassenstufe 9):

„Ehrlich gesagt nicht wirklich lang, ca. eine halbe Stunde. Manchmal mach ich sie auch nur auf den letzten Drücker (lacht). Mit Freunden treffe ich mich eigentlich gar nicht in meiner Freizeit, aber wenn man es so betrachtet – ja, ich würde schon sagen, dass ich es schaffe beides unter einen Hut zu bringen.“

Person d (Klassenstufe 8):

„(Nervöses Lachen) Nun ja … (Schweigen) … in etwa 45 Minuten oder einer Stunde. Aber auch wenn sich das jetzt vielleicht nicht so anhört, wird es auch manchmal schwierig. sich mit Freunden zu treffen. Vor allem, weil ich so lange Schule habe. Ich komme immer gegen halb fünf nach Hause, dann gibt es auch schon Abendessen – und ja, was soll man großartig noch dazu sagen?“

Person e (Klassenstufe 7):

„Ich bin immer so gegen 16 Uhr zu Hause und schaffe es eigentlich, meine Hausaufgaben schnell zu erledigen. Es kommt halt immer auf die Menge an. Wenn ich viele aufhabe, sitze ich lange dran und wenn es wenig sind, eben nicht so lang. Auch durch die Flex-Zeiten kann ich vorher schon ein wenig erledigen. Aus dem Grund, weil ich immer so lange Schule habe, schaffe ich es nicht wirklich, meine Freunde unter der Woche zu sehen. Treffen tue ich mich mit ihnen meistens montags und freitags nach der Schule, weil ich da nicht so lange Schule habe und meistens keine Hausaufgaben aufbekomme.“

„Machst du dir viel Druck in der Schule?“

Person a (Klassenstufe 11):

„Ich halse mir viel zu viel auf, als ich eigentlich ertragen kann. Ich sitze stundenlang an meinen Hausaufgaben, weil ich alles perfekt machen möchte. Ich bin schlicht und einfach ein Perfektionist und das erschwert mir leider einiges. Vor allem wenn ich weiß, dass ich in etwas eigentlich besonders gut bin. Ein Beispiel wäre, dass ich statt eines achtminütigen Vortrags mal einen dreißigminütigen gehalten habe. Der wurde dann auch noch genauso bewertet, wie ein Vortrag, in dem sich kaum Mühe gegeben wurde. Ein anderes Beispiel wäre, dass ich mal eine ganze Nacht durchgemacht habe, um alle Hausaufgaben und Präsentationen erledigen zu können – oder zumindest einen Teil davon. Das war aber keine gute Idee, weil ich dann so müde am nächsten Tag war, dass ich mich habe abholen lassen. Ich finde, dass Stress, Druck und diese ganzen Erwartungen an einen selbst – vor allem in meinem Fall – einen nur kaputt machen und die ganze Jugend rauben!“

Person b (Klassestufe 10):

„Ja definitiv! Vor allem jetzt, wo ich von der Hans-Grade-Oberschule auf dieses Gymnasium gewechselt bin. Ich habe zwar jetzt viele neue Leute kennengelernt, mit denen ich mich super verstehe, jedoch spürt man hier jetzt stark den Leistungsdruck. Ich sitze ständig bei mir zu Hause und versuche alles auf einmal zu erledigen, was mich letztendlich überfordert und schließlich zu Panikattacken führt. (Schweigen) … Ich würde auch sagen, dass ich an Zukunftsängsten leide – die Angst das alles nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe.“

Person c (Klassenstufe 9):

„Ich mache mir, auch wenn es meine Freunde vielleicht nicht denken, da ich ihrer Meinung nach ja immer sooooo gut in der Schule bin (lacht), sehr viel Druck mit meinen Noten. Ich möchte immer gut abliefern, weil es mittlerweile das ist, was mir von der Schule und meiner Familie abverlangt wird. “

Person d (Klassenstufe 8):

„Mmh, ich verspüre eigentlich gar keinen Druck haha.“

Person e (Klassenstufe 7.):

„Anfangs schon. Ich musste mich erstmal an den Umstieg von der 6. in die 7. Klasse gewöhnen. Meine Noten sind auf einmal stark in den schlechteren Bereich abgesunken und ich habe somit schneller angefangen an mir selbst und meinen Leistungen zu zweifeln. Mittlerweile verspüre ich den Druck oder den Stress nur bei Klassenarbeiten, aber sonst eigentlich nicht.“

– Die Anonymen Markus Fans