Squid Game & Co. – Kinder und Jugendliche geraten außer Kontrolle

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Serien wie ,,Squid Game“ oder ,,Tote Mädchen Lügen Nicht“ (TMLN) behandeln gesellschaftskritische Themen. Serien dieser Art verzeichnen enorm große Erfolge. Die südkoreanische Serie ,,Squid Game“ hatte beispielsweise nach eigenen Angaben von Netflix bereits in der ersten Spielwoche über 100 Millionen Zuschauer weltweit und ist somit die erfolgreichste Serie, die bis jetzt vom Streamingdienst veröffentlicht wurde. Die Altersfreigabe, FSK 16, wurde jedoch scharf kritisiert.

In der Serie nehmen 456 verschuldete Teilnehmer mit dem Anreiz, ein hohes Preisgeld zu gewinnen, am sogenannten Squid Game teil. Vermutet wird, dass damit gesellschaftliche Probleme wie Armut versinnbildlicht und die derzeitige extreme soziale Ungleichheit im Kapitalismus kritisiert werden soll. Die relative Armut und die Kluft zwischen Arm und Reich ist seit den 1990er Jahren – insbesondere in Folge der Asienkrise 1997 – in Südkorea stark angestiegen. Sie beträgt heute 14–15 %. Der Anteil der Bevölkerung, der in absoluter Armut lebt, beträgt etwa 2 %.

Das Spiel besteht aus mehreren koreanischen Kinderspielen (z.B. Tauziehen oder Murmelspiele), die die Teilnehmer nach und nach absolvieren. Die Verlierer des Spiels werden disqualifiziert oder sterben direkt bei der brutalen Ausführung der Spiele. Diese Disqualifikation bedeutet den sofortigen Tod des jeweiligen Spielers. Diese Szenen werden äußerst detailliert dargestellt und in keiner Weise verharmlost.

Vor allem Grundschulkinder begannen, inspiriert von der koreanischen Erfolgsserie, daraufhin ähnliche Spiele auf dem Schulhof oder in ihrer Freizeit nachzuspielen.  Der Unterschied ist jedoch, dass die Verlierer der Spiele nicht mit dem Tod, sondern mit brutalen Schlägen oder Prügeleien bestraft werden. Dieses Verhalten bereitet in erster Linie Eltern und Kinderpsychologen Sorgen. Dem Anschein nach sind die Kinder nicht in der Lage den Hintergrund und die Tiefe der Serie zu verstehen, die Altersfreigabe sollte solches Verhalten eigentlich verhindern.

Durch die Reaktion von Minderjährigen auf Squid Game wird jedoch verdeutlicht, dass die FSK-Angaben für den Großteil unbedeutend sind. Infolgedessen wurde bereits über ein Verbot der Serie in verschiedenen Ländern diskutiert, das steht aktuell jedoch noch zur Debatte.

Auch nach dem Schauen von Serien, wie „Tote Mädchen lügen nicht“, ebenfalls bekannt als ,,13 Reasons Why“,  gab es markerschütternde Vorfälle, wie zahlreiche Suizide oder Autoaggressionen.   

In der amerikanischen Serie findet Clay vor seiner Haustür ein mysteriöses Paket. Dieses enthält 13 Audiokassetten von seinem heimlichen Schwarm Hannah. Jede Kassette ist an eine bestimmte Person adressiert welche Teilschuld an dem Suizid trägt. Diese direkten Darstellungen von Selbstmordgedanken und Schuldgefühlen wirkten auf viele Menschen wie ein Trigger.

Der österreichische Wissenschaftlers Thomas Niederkrotenthaler hat mit einigen Kollegen der medizinischen Universität Wien eine Studie veröffentlicht, die beweist, dass die Zahl der Suizide bei 10- bis 19-Jährigen in den USA bis zu drei Monate nach Veröffentlichung der ersten Staffel von TMLN auffällig hoch war. Vor allem bei jungen Frauen war der Anstieg mit einem Plus von 21,7 Prozent sehr deutlich zu erkennen.

Diese Zahlen und die Reaktionen zeigen, dass eine scheinbar harmlose Serie dramatische Folgen nach sich ziehen kann, was durch die Nachahmungsversuche von Squid Game und dem Anstieg der Suizidrate aufgrund von TMLN verdeutlicht wird.  Auch wenn man versucht, solche Horrorszenarien zu verhindern, scheint es nahezu unmöglich zu sein, den Einfluss von Serien auf Kinder und Jugendliche vorherzusehen oder zu beeinflussen.