Die Welt in Schwarz-Weiß

Das Borderline-Syndrom

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Ich bin zufällig auf das Buch „Wir beide in Schwarz-Weiß“ von Kira Gembri gestoßen. Es ist eine Jugendromanze. In den Hauptrollen Kris, leidenschaftliche Kunststudentin mit Hang zu exzentrischen Projekten, und Alex, Café-Mitarbeiter, Drogendealer, WG-Bewohner – und Borderliner.

In diesem Artikel geht es jedoch nicht um den Roman, sondern um Alex‘ Persönlichkeitsstörung, dem Borderline-Syndrom. Dennoch, ‘spoilers ahead‘!

Borderliner sind Leute, die an dem Borderline-Syndrom erkrankt sind, einer Persönlichkeitsstörung. Sie ist eine der häufigsten Persönlichkeitsstörungen überhaupt, dennoch ist sie, vor allem durch die vielen unterschiedlichen Varianten, immer noch ohne eine genaue Definition.

Klar kann man aber sagen, dass viele Borderliner sich an der Grenze von Normalität und Krankheit bewegen, obwohl das nicht auf die ursprüngliche Herkunft des Namens passt.

Dieser wurde nämlich zum ersten Mal 1938 von Adolph Stern, einem amerikanischen Psychoanalytiker, verwendet. Er verwendete ihn, um eine Patientengruppe zu beschreiben, deren mentaler Zustand sich nicht mit der Therapie verbesserte. Ebenso passten die Symptome weder in den Bereich der Psychose noch der Neurose.

Psychose und Neurose unterscheiden sich in vielen Aspekten. Ein Beispiel wäre eine Veränderung in der Persönlichkeit typisch Psychose, während Neuroseerkrankte ebendiese häufig nicht durchleben. Ebenso erkennen letztere ihre Erkrankungen nicht selten, während an Psychose erkrankte Menschen meist gar nicht wissen, dass sie Psychosen haben. Des Weiteren sind Halluzinationen kein seltenes Symptom der Psychose, was sich nicht auf Neurosebetroffene bezieht.

Neurose ist also rein nervlich, Psychose beschreibt einen vorübergehenden oder anhaltend gestörten Bezug zur Umwelt, der durch die Psyche hervorgerufen wird.

Psychische Störungen wurden dabei damals nach dem Prinzip der Analysierbarkeit (im Sinne der Psychoanalyse) klassifiziert. Neurotisch Erkrankte wurden als analysierbar und somit als behandelbar angesehen. Menschen mit Psychosen dagegen wurden als nicht analysierbar und somit als nicht behandelbar betrachtet. Die Bezeichnung “Borderline“ bezog sich in diesem Sinne auf die unscharfe und nicht definierte Grenzlinie zwischen Neurose und Psychose und wurde gewählt, da man bei den betroffenen Patienten Symptome aus beiden Bereichen identifizieren konnte.

Es gibt 9 Fragen, die häufig für eine Diagnose verwendet werden. Das heißt aber nicht, dass alle neun Fragen stimmen müssen, ehe es tatsächlich die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist.

  1. Verzweifeltes Bemühen, nicht verlassen zu werden
  2. instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen
  3. Impulsivität in mindestens zwei selbstschädigenden Bereichen
  4. wiederkehrende suizidale Handlungen oder Selbstverletzung
  5. instabiles Gefühls- und Gemütsleben
  6. chronisches Gefühl von Leere
  7. Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren
  8. Identitätsstörung
  9. dissoziative Symptome oder paranoide Vorstellungen

Sollten mindestens fünf der Symptome zutreffen, ist eine BPS wahrscheinlich.

Aber was bedeutet das nun für Betroffene?

Im Buch verwendet Kira Gembri eine recht passende Erklärung:

„Zum Beispiel sind Veränderungen im sozialen Umfeld oft sehr problematisch. Nur der Kontakt zu nahestehenden Personen bietet ihnen Halt, und diese Personen werden von ihnen als eine Art Seelenverwandte idealisiert. Das geht so lange gut, bis der Betroffene nicht mehr genug Sicherheit empfindet. Dafür reicht schon ein kleiner Anlass, vielleicht eine Meinungsverschiedenheit oder auch nur ein eingebildeter Grund zur Eifersucht … und der Erkrankte wird ins Nichts geschleudert.“[…]

„Entschuldigt diesen drastischen Vergleich.“, schickt er hinterher, und nun klingt seine Stimme beinahe sanft. „Aber genau das macht das Gefühlsleben eines Menschen mit Borderline-Persönlichkeit aus: ein Wechsel zwischen Extremen. Zwischen Glück und Verzweiflung, Liebe und Hass, Gefühlsüberschwang und quälender Leere.“

Dr. Berner, Psychotherapeut in einer Psychiatrie und verantwortlich für Alex, ehe dieser seine Therapie abbrach, erklärt.

Der Borderliner bewegt sich also konstant zwischen Superlativen.

Man kann sich das wie eine Klippe vorstellen, den einen Moment steht der Borderliner also auf  der Klippe und den anderen sieht er von unten herauf.

Das Leben für ein Borderliner ist kompliziert, vor allem mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Flexibilität stellt er sich quer. Plötzliche Veränderungen werden auch tendenziell negativ aufgefasst.

Sie können bereits nach dem ersten oder zweiten Treffen extreme Emotionen gegenüber einer anderen Person entwickeln, jedoch können sie sie genauso schnell wieder verabscheuen.

Jedoch gilt auch zu sagen, dass, obwohl das Syndrom bereits in der frühen Jugend erkannt werden kann, es sich meist im Laufe des Lebens wieder legt und nicht mehr so extrem auftritt.

Quellen